PD Dr. med. Frauke Stascheit beleuchtet neueste Studienergebnisse zur Myasthenia gravis und gibt für zentrale Fragen des Praxisalltags wertvollen Anregungen.
Real-World-Daten: Warum ist ein früher Therapiebeginn mit VYVGART (Efgartigimod) entscheidend – und welchen Nutzen bringt dies für neudiagnostizierte Patient:innen mit AChR-positiver generalisierter Myasthenia gravis im Praxisalltag?
Welche Konsequenz hat die Gabe von Kortikosteroiden bei MG-Patient:innen, die bereits ein erhöhtes Frakturrisiko aufweisen?
Aktuelle Daten belegen: Der MG-ADL-Fragebogen liefert – egal ob von Ärzt:innen oder Patient:innen erhoben – eine präzise und objektive Bewertung der Krankheitsaktivität.
Mit der Therapie der Myasthenia gravis soll entsprechend der aktuellen S2k-Leitlinie zu Diagnostik und Therapie myasthener Syndrome die bestmögliche Krankheitskontrolle bei bestmöglicher Lebensqualität erreicht werden.1 PD Dr. med. Jana Zschüntzsch, Göttingen, beantwortet im Interview Fragen zur Therapie der Erkrankung.
DE-VYV-24-00067, Stand Juni 2026
In der S2k-Leitlinie wird bei generalisierter AChR-Ak-positiver Myasthenia gravis mit (hoch-) aktivem Krankheitsverlauf ein früher Einsatz von zielgerichteten Therapien wie VYVGART zusätzlich zur Standardtherapie empfohlen. Orale Kortikosteroide (OKS) sollen hingegen nur über einen möglichst kurzen Zeitraum und unter Berücksichtigung u. a. der Nebenwirkungen eingesetzt werden.1 „Wir haben mit Kortison immer noch eines der stärksten und bestwirksamen Medikamente, aber aufgrund des grässlichen Nebenwirkungsprofils ist es keine Lösung für einen Myasthenie-Patienten“, betonte Prof. Dr. Franz Blaes, Gummersbach, auf dem argenx-Symposium am Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie 2024. Langfristige Folgen einer OKS-Therapie können z. B. Gewichtszunahme, Osteoporose bzw. Katarakt sein.2
Ergebnisse einer Real-World-Studie aus den USA untermauern den Nutzen einer frühen Therapie mit VYVGART® bei generalisierter Myasthenia gravis auch im Hinblick auf die Langzeitrisiken von OKS unter Alltagsbedingungen. Dabei wurden die Daten von 319 erwachsenen Patient:innen mit Myasthenia gravis und Erstverschreibung von VYVGART eingeschlossen. Das mittlere Alter der Teilnehmer:innen betrug 61,3 Jahren, 45,3 % davon waren Frauen. Bei 109 Patient:innen lag ein Myasthenia Gravis Activities of Daily Living (MG-ADL)-Score zur Baseline sowie mindestens 1 MG-ADL-Score nach Therapiebeginn mit VYVGART vor. Die Ergebnisse in dieser Kohorte zeigten bei 46 % der Patient:innen nach 6 Monaten eine Reduktion des OKS-Verbrauchs um durchschnittlich ≥ 5 mg/Tag. Bei 34 % der Betroffenen lag die mittlere tägliche Dosis der OKS-Therapie 6 Monate nach Beginn der VYVGART®-Therapie bei ≤ 5 mg/Tag. Darüber hinaus waren 15 % der Teilnehmer:innen 3 Monate nach der ersten VYVGART®-Dosis frei von OKS, dieser Anteil stieg nach 6 Monaten auf 18 %.3
Der mittlere MG-ADL-Score sank dabei bei Patient:innen mit mindestens einem erfassten Wert innerhalb von 6 Monaten nach Behandlungsbeginn (n = 109) von 8,7 um die Hälfte auf 4,3 ab (p < 0,0001).3
Eine retrospektive Analyse klinischer Real-World-Daten von 19 erwachsenen Patient:innen mit AChR-Ak-postiver generalisierter Myasthenia gravis kam zu ähnlichen Ergebnissen: VYVGART erzielte auch hier relevante Verbesserungen der Krankheitsaktivität* und ermöglichte bei 11 Patient:innen zugleich eine Reduktion der Prednison-Dosis.4
Mehr zu innovativen Behandlungsmöglichkeiten bei generalisierter Myasthenia gravis vom Kongress der DGN erfahren Sie im Video.
DE-VYV-24-00086 / Mai 2026
VYVGART wird einmal wöchentlich verabreicht. Das IgG1-Antikörper-Fc-Fragment ist jetzt auch als praktische s.c. Fertigspritze zur Selbstapplikation† verfügbar.5 Die empfohlene Dosis beträgt 1 000 mg subkutan als einmal wöchentliche Injektion über 4 Wochen (1 Zyklus). Nachfolgende Behandlungszyklen sind der klinischen Beurteilung entsprechend durchzuführen. Die Häufigkeit der Behandlungszyklen kann je nach Patient variieren.5 Im klinischen Entwicklungsprogramm wurden nachfolgende Behandlungszyklen frühestens 7 Wochen nach der ersten VYVGART-Gabe des vorherigen Zyklus durchgeführt.6
Zur fortlaufenden Beurteilung der Krankheitsaktivität und -schwere und des Ansprechens auf die medikamentöse Therapie wird entsprechend der aktuellen S2k-Leitlinie empfohlen, in regelmäßigen Abständen ärztliche Untersuchungen durchzuführen, einschließlich der Erhebung klinischer Scores, unter Berücksichtigung der Selbsteinschätzung des Patienten. Es sollten der Quantitative Myasthenia Gravis Score (QMG), der MG-ADL, der MG-Quality of Life 15 (MG-QoL15r) und der Fragebogen der amerikanischen Myasthenia-gravis-Gesellschaft (MGFA) zur Erhebung eingesetzt werden.1
Der MGFA bewertet den höchsten jemals erreichten Schweregrad der Erkrankung. Unterschieden wird zwischen Patient:innen mit rein okulären Symptomen (MGFA I) und generalisierten Symptomen (MGFA II–V). Betroffene mit generalisierter Verlaufsform werden nach Verteilungsmuster den Kategorien Extremitäten-betont (II–IVa) oder oropharyngeal-betont (II–IVb) zugeordnet.‡,1
Der MG-ADL-Score ist ein Fragebogen, der durch Ärzt:innen bzw. medizinisches Personal auf Basis der Angaben der Patient:innen oder durch Patient:innen selbst ausgefüllt wird. Er erfasst insbesondere die Krankheitsdynamik zuverlässig.1
* Die ersten 3 Zyklen VYVGART i.v. wurden in festen Intervallen eingeleitet (VYVGART i.v. einmal wöchentlich über 4 Wochen, gefolgt von 4 Wochen Nachbeobachtung zwischen den Zyklen).
† ab der 6. Injektion nach ausreichender Schulung der subkutanen Injektionstechnik, die erste Selbstinjektion muss immer unter Aufsicht eines Arztes durchgeführt werden.
‡ Die Bemessung des Schweregrades der Myasthenia gravis in der S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie myasthener Syndrome orientiert sich an der MGFA-Klassifikation. Allerdings berücksichtigt der hier verwendete MGFA-Status nur den Schweregrad zum Zeitpunkt der klinischen Einschätzung und nicht den jemals im Krankheitsverlauf erreichten höchsten Schweregrad.1
1 Wiendl H et al. Diagnostik und Therapie myasthener Syndrome, S2k-Leitlinie, 2024, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 22.01.2025).
2 Misra UK et al. Acta Neurol Belg 2020;120(1):59–64.
3 Ruck T et al. Real-world reduction in oral corticosteroid utilization following efgartigimod initiation. EAN 2024; Poster EPO-408.
4 Sylvestri NJ. Muscle & Nerve 2025;71(3):422–428.
5 Fachinformation VYVGART® 1 000 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze, aktueller Stand.
6 Fachinformation VYVGART® 1.000 mg Injektionslösung, aktueller Stand.
Pflichtangaben DE nach § 74a AMG
Vyvgart 20 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung/
Vyvgart 1 000 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze
▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Bezeichnung: Vyvgart 20 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung/Vyvgart 1 000 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze. Wirkstoff: Efgartigimod alfa. Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsuppressiva, selektive Immunsuppressiva, ATC-Code: L04AA58. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Vyvgart 20 mg/ml: Jede Durchstechflasche mit 20 ml enthält 400 mg Efgartigimod alfa (20 mg/ml). Sonstige Bestandteile: Histidin, Histidinhydrochlorid-Monohydrat, Methionin, Natriumchlorid, Saccharose, Argininhydrochlorid, Polysorbat 80 (E433), Wasser für Injektionszwecke. Jede Durchstechflasche enthält 33,2 mg Natrium. Jede Durchstechflasche enthält 8,2 mg Polysorbat 80, entsprechend 0,4 mg/ml. / Vyvgart 1 000 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze: Jede Fertigspritze enthält 1 000 mg Efgartigimod alfa in 5 ml (200 mg/ml). Sonstige Bestandteile: Vorhyaluronidase alfa, Argininhydrochlorid, Histidin, Histidinhydrochlorid-Monohydrat, Methionin, Polysorbat 80 (E433), Natriumchlorid, Saccharose, Wasser für Injektionszwecke. Jede Fertigspritze enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium. Jede Fertigspritze enthält 2,1 mg Polysorbat 80, entsprechend 0,4 mg/ml. Anwendungsgebiete: Vyvgart 20 mg/ml: Vyvgart wird zusätzlich zur Standardtherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit generalisierter Myasthenia gravis (gMG) angewendet, die Anti-Acetylcholin-Rezeptor (AChR)-Antikörper positiv sind. / Vyvgart 1 000 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze: Vyvgart wird zusätzlich zur Standardtherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit generalisierter Myasthenia gravis (gMG) angewendet, die Anti-Acetylcholin-Rezeptor (AChR)-Antikörper positiv sind. Vyvgart wird als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit progredienter oder rezidivierender aktiver chronisch-entzündlicher demyelinisierender Polyneuropathie (CIDP) nach vorheriger Behandlung mit Kortikosteroiden oder Immunglobulinen angewendet. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der oben genannten sonstigen Bestandteile. Nebenwirkungen: Vyvgart 20 mg/ml: Sehr häufig: (≥ 1/10): Infektionen der oberen Atemwege; Häufig (≥ 1/100, < 1/10): Harnwegsinfektionen, Bronchitis, Myalgie, Kopfschmerz im Zusammenhang mit dem Verfahren, Übelkeit; Nicht bekannt: anaphylaktische Reaktion während oder nach der Infusion. / Vyvgart 1 000 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze: Sehr häufig: (≥ 1/10): Infektionen der oberen Atemwege, Reaktionen an der Injektionsstelle; Häufig (≥ 1/100, < 1/10): Harnwegsinfektionen, Bronchitis, Myalgie, Übelkeit. Warnhinweise: Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren. Verschreibungspflichtig. Pharmazeutischer Unternehmer/ Inhaber der Zulassung: argenx BV, Industriepark-Zwijnaarde 7, 9052 Gent, Belgien.
Stand: Januar 2026.
DE-VYV-24-00009 Mai 2026
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